Maselheim, Warthausen

BürgerEnergiegenossenschaft Riss eG

MyOdoo image and text block

Bürgerenergiegenossenschaften laden junge Klimaschutz-Aktivisten ein

Zehnjährige Jubiläums-Mitgliederversammlung des Verbands der BürgerEnergiegenossenschaften in Baden-Württemberg

Auf der Agenda ein brisantes Thema: Baden-Württemberg ist das Bundesland mit der höchsten Dichte an Energiegenossenschaften. An Projektideen und Finanzierung fehlt es nicht, aber durchaus am Nachwuchs für tatkräftige Unterstützung seitens Ehrenamtlicher: Die BEGs werben daher intensiv um junge Aktivisten aus der Fridays-for-Future-Generation. Die Bandbreite an Einsatzmöglichkeiten ist groß: Von der Begleitung von Neugründungen über die administrative Organisation bestehender Genossenschaften bis hin zur Entwicklung innovativer Projekte von der Pike auf. Darunter beispielsweise der genossenschaftliche Betrieb von Ladesäulen-Infrastruktur für die Elektromobilität, klimafreundliche Wärmenetze, besondere Energieeffizienz-Maßnahmen sowie dezentrale Erzeugungsanlagen aus erneuerbaren Energien wie Windkraft, Solarenergie, Biomasse und Blockheizkraftwerke.

Es gibt viele Gründe, sich ehrenamtlich im Rahmen einer Bürgerenergiegenossenschaft zu engagieren. Elisabeth Strobel, Vorsitzende des Verbands der BürgerEnergiegenossenschaften Baden-Württemberg kann diese ad hoc aufzählen, da sie bereits seit zehn Jahren als Ehrenamtliche den Vorsitz des Verbands innehat und alle Fäden der Organisation bei ihr zusammenlaufen. „Die Energiewende ist für unsere Mitglieder etwas sehr Konkretes zum Anfassen, da sie direkt vor der eigenen Haustüre stattfindet“, so Strobel. Das verändert die Wahrnehmung für das gegenwärtige Dauerthema Klimaschutz, was aus den Medien nicht mehr wegzudenken ist. „Wer an einem Windpark oder an einer Solaranlage finanziell beteiligt ist oder sich organisatorisch um den ordnungsgemäßen Betrieb dieser Anlagen kümmert, nimmt direkt positiven Einfluss auf die Energiewende und damit auf den Klimaschutz“, sagt Strobel. Dazu kommt, dass die Bürgerenergie dringend weiter ausgebaut werden muss. Aus dem Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg heißt es dazu, dass aktuell die Stromerzeugung in Baden-Württemberg zu einem Drittel aus Kernenergie und zu 30 Prozent aus Kohle stammt. Bis 2022 muss der Kernenergieanteil vollständig ersetzt werden, das entspricht insgesamt etwa 20 Terrawattstunden pro Jahr. Zum Vergleich: Die installierte Leistung erneuerbarer Energien über den Verband der BürgerEnergiegenossenschaften liegt bei 44.000 kW. Das zeigt, dass weiterhin dringender Ausbaubedarf hierzulande besteht, bei dem Bürgerinnen und Bürger eigenverantwortlich aktiv werden können. Ausgesprochenes Ziel der Landesregierung ist es, dass bis 2030 jede zweite Kilowattstunde, die in Baden-Württemberg erzeugt wird, aus Erneuerbaren stammt.

Vor Ort selbst aktiv für Energiewende und Klimaschutz einen Beitrag leisten

Jede der 72 BürgerEnergiegenossenschaften in Baden-Württemberg, die unter dem Dach des Verbands organisiert sind, sind somit fester Bestandteil des Energiesystems der Zukunft in Deutschland und damit Vorbild für die dezentrale Energiewende. Damit es dabei bleibt, müssen sich aber auch die BEGs weiterentwickeln: Ehrenamtliche, die teils seit zehn Jahren oder länger aktiv sind wünschen sich Unterstützung von neuen, jungen Köpfen, die sich organisatorisch und mit Ideen engagieren. Mit Blick auf die Fridays-for-Future-Generation keimt Hoffnung auf, dass sich hier junge Menschen dafür begeistern können, konkret in ihrem Wohnumfeld vor Ort für Energiewende und Klimaschutz aktiv zu werden, was auch ohne finanzielle Beteiligung geht: lediglich hohes Interesse und etwas Zeit für das Ehrenamt sind die Voraussetzung. Dies formuliert der Verband stellvertretend für seine Mitglieder als Angebot an jegliche Interessierte.

Innovative Projekte und nachhaltige Energieerzeugung im Portfolio

Zu den wichtigsten Säulen der BürgerEnergiegenossenschaften zählen die Solarenergie mit derzeit etwa neun Prozent am Anteil der Erneuerbaren in der Stromerzeugung und Windkraft sowie Biomasse. In Baden-Württemberg sind noch zahlreiche Dächer ungenutzt, insbesondere im urbanen Raum. Eine jüngst veröffentlichte Studie des Umweltministeriums zeigt auf, dass Baden-Württemberg über 12.000 geeignete Standorte für Windkraftanlagen aufweist, die bislang noch nicht erschlossen sind. Derzeit ist der Ausbau der Windenergie ins Stocken geraten und liegt bei unter vier Prozent am Anteil der Erneuerbaren. Auch wenn Windkraft und Solarenergie noch über immense Ausbaupotenziale im Südwesten verfügen, müssen neue Technologien mit in Betracht gezogen werden, um den Blick fürs Ganze zu bewahren: Die Elektromobilität wird in den nächsten zehn Jahren das Straßenbild sowie auch Energiesystem vollkommen verändern, und nicht zuletzt auch das eigene Mobilitätsverhalten zahlreicher Einzelner. Daher ist auch die Ladesäulen-Infrastruktur dafür prädestiniert, in Bürgerhand organisiert und betrieben zu werden. Dieses thematisch attraktive Feld ist dabei nur eines von diversen Weiteren, auf welchen sich der Nachwuchs Kompetenzen und Praxiswissen aneignen könnte beim Engagement in einer lokalen BürgerEnergiegenossenschaft.

Bronzene Ehrennadel für die Vorsitzende des Vorstands im Verband

Vergangenen Samstag erhielt die Vorstandsvorsitzende des Verbands, Elisabeth Strobel, für ihr langjähriges Engagement die Ehrennadel in Bronze. Ministerialdirektor Helmfried Meinel vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg überreichte die Auszeichnung im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung des Verbands in Kirchheim / Teck. „Bei Elisabeth Strobel laufen die Fäden zusammen, sie ist die Wegbereiterin über all die Jahre im Verband und Vordenkerin in Sachen Energiewende“, so MD Meinel bei der Überreichung der Auszeichnung. In den Energieprojekten stecken Erfahrungen, von denen andere lernen und profitieren können, betont der Amtschef des Umweltministeriums weiter.

Ehrenamtliche mit Eigenverantwortung für Klimaschutz und Energiewende gesucht

Weiter sagt MD Helmfried Meinel vom Umweltministerium: „Es gibt glücklicherweise viele Bürgerinnen und Bürger, die darauf brennen, auf diesem Gebiet selbst etwas in die Hand zu nehmen anstatt immer darauf zu warten, bis der Staat etwas tut“. Michael Weimer, Schriftführer im Verband ergänzt: „Wir bieten jungen Interessierten ein attraktives Ehrenamt: unsere alten Hasen vermitteln gern ihr Fachwissen, und gemeinsam in einer sehr klimaschutzaffinen Community packen wir die Energiewende vor Ort an“.
Die Anzahl Ehrenamtlicher ist in Deutschland in den vergangenen vier Jahren leicht gestiegen: Laut Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse (AWA) gab es im Jahr 2018 etwa 15,98 Millionen Ehrenamtliche, im Jahr 2015 nur rund 13,44 Millionen. Die Mehrheit der Ehrenamtlichen ist über 50 Jahre alt - knapp ein Viertel 70 Jahre und älter. Das zeigt, dass Nachwuchs dringend gefragt ist – auch bei den BürgerEnergiegenossenschaften.
Nicht nur für Aktivisten aus der Fridays-for-Future-Bewegung ist eine BürgerEnergiegenossenschaften eine attraktive Möglichkeit, selbst am Klimaschutz teilzuhaben. Personen aller Altersgruppen, die sich in einem Bereich mit Zukunft engagieren möchten, sind willkommen und können ihre Fragen für den Start des eigenen Engagements persönlich mit einem Ansprechpartner aus dem Vorstand des Verbands klären. Unter www.buerger-energie.de sind die Kontaktdaten zu finden und im Bereich Fragen und Antworten der Verbands-Website wird bereits ein umfangreicher Wissensfundus angeboten.

<< Zurück